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Ner Ya´akov - Trost, Versöhnung, Hilfe für Holocaustüberlebende



Woher kommt der Name "Ner Ya'akov"?

Jüdische Menschen zünden zum Gedächtnis an jemanden eine Kerze an. "Ner" ist das hebräische Wort für Kerze. Der Name wurde zum Gedächtnis an Ya‘akov Thalenberg, Bellas Großvater, gegeben. Bella selbst ist Holocaust-Überlebende und mit ihr fing 1987 für Inge Buhs die Arbeit unter Holocaust-Überlebenden an.
Für Bella ist dies ein großer Trost, sie hatte immer den Wunsch, dass ihrem Großvater ein Gedächtnis geschaffen wird. Vor dem Holocaust hatte Ya‘akov Thalenberg ein offenes, warmes Haus, wo Menschen sich willkommen gefühlt haben – genau das ist der Wunsch für das Haus von Ner Ya'akov.
Die Kerze auf dem Logo durchbricht den Stacheldraht – Licht für ganz Israel. 

Kern des Projektes ist es, ein "Zuhause" für Holocaust-Überlebende zu bieten,

Das Heim ist ein Haus, das in Jerusalem gemietet wurde und etwa sechs bis acht Menschen beherbergen kann. Die Bewohner leben als "Familie" zusammen. Die Bewohner werden durch Volontäre, die im Haus mitwohnen oder stundenweise kommen, versorgt und unterstützt. Sie geben dem Haushalt Stabilität und sorgen für die allgemeine Instandhaltung, geben Hilfe bei der Essenszubereitung, beim Putzen und Einkaufen. Sie begleiten die alten Menschen bei Arztbesuchen oder anderen nötigen Gängen und umsorgen sie im Krankheitsfall.

Praktische Hilfe in privaten Wohnungen

Über die Betreuung im Haus hinaus erfahren Holocaust-Überlebende in ihren privaten Wohnungen durch die Mitarbeiter von Ner Ya'akov die gleiche praktische Hilfe.

Versöhnung

In der ganzen Arbeit soll vor allem durch praktische Hilfe der Wunsch zur Versöhnung zum Ausdruck gebracht werden.

Aliyah - Einwanderung

Die praktische und finanzielle Hilfe beginnt bereits bei der Einwanderung nach Israel aus Ländern wie die Ukraine, Russland, usw., wo erneut der Antisemitismus stark zunimmt.

Finanzielle Hilfe durch Ner Ya'akov

Darüber hinaus ermöglicht Ner Ya’akov finanzielle Hilfe für arme und bedürftige Holocaustüberlebende und ihre Familien, zum Beispiel für Mieten, Ärzte und Medikamente und Lebensmittel.

Und wie es dazu kam, darüber berichtet die Leiterin von Ner Ya'akov,  Inge Buhs im untenstehenden Bericht.

Wenn Sie finanziell helfen wollen:

LGV–Förderstiftung
Sparkasse Pforzheim-Calw
Konto: 4689682
BLZ: 666 500 85
Verwendungszweck: AKI  Projekt–Nr. T 50605 

Für weitere Informationen können Sie sich gern wenden an:

AKI - Marina Kotz
Eichstraße 6A
30880 Laatzen
Telefon: 0511-872540
E-Mail: marinamk(at)gmx.net

 

Von Bayern nach Jerusalem - Lebensbericht von Inge Buhs
Leiterin von Ner Ya’akov

Eine Deutsche hilft holocaustüberlebenden Juden in Israel
Das ist wirklich eine lange Geschichte und ein wunderbarer Weg, den unser treuer Herr mich in all meiner Schwäche geführt hat. "Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2. Korinther 12, 9). In diesem Wort finde ich mich mit meinem Leben wieder. Ich weiß von niemanden in meiner Familie, der gläubig war, als ich in einem bayerischen Dorf geboren und aufgewachsen bin. Als uneheliches Kind, in einer Familie, die mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte, in einem katholischen Ort  aufgewachsen, das hat viel Ablehnung und innerliche Not mit sich gebracht. Als sich meine Eltern trennten und mein Vater, den ich sehr liebte, tot neben einem Bierzelt gefunden wurde, brach für mich die Welt ganz zusammen. Ich war damals 14 Jahre alt. Es folgten daraufhin viele bittere Jahre in tiefer Sünde. Ich mietete mir ein Zimmer in einem Bierlokal. In dieser schlechten Atmosphäre fing ich als Kellnerin an zu arbeiten.

Auf der Suche nach Gott
Seelisch hatte ich viele Probleme - ich fing an Gott zu suchen, aber niemand konnte mir etwas über ihn sagen. Alleine ging ich manchmal in die Kirche, um zu beten. Nach schweren Enttäuschungen gab ich in Deutschland alles auf und mit schlechtem Englisch und wenig Geld ging es ab in die USA. Ich reiste durch Amerika - immer noch auf der Suche nach dem Sinn meines Lebens.
Die Nachbarn meiner Schwester in den USA waren gläubig und zeigten mir viel Liebe, Annahme und Verständnis, mehr als ich je zuvor erfahren habe. Sie haben mir durch ihre Liebe Jesus gezeigt. Nie sagten sie: "Geh nicht in die Disco, rauche nicht ..." usw. Sicher wäre ich auch dort weggelaufen.
In meinem Herzen wusste ich, dass das was sie mir über Jesus sagten, die Wahrheit war. Doch bei mir hat sich lange nichts in meinem Leben verändert .
Zurück nach Deutschland lernte ich Gläubige aus meinem Heimatort kennen. Sie fingen an für mich zu beten.
Eines Abends im Januar 1983 hörte ich dann eine Predigt über die Erwachsenentaufe. Mit meinem Verstand habe ich es nicht begriffen, doch es ging mir richtig durchs Herz und so wurde ich dann am 6. Januar 1983 getauft. Noch rauchend und eigentlich in "unbekehrtem Zustand" ging ich zu meiner Taufe - doch an diesem Tag kam Jesus in mein Leben und veränderte es völlig. Frei von der Last meiner Schuld und Gebundenheiten durfte ich ihn für dieses große Wunder preisen. "... wenn deine Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneesweiß werden" (Jesaja 1, 18). Dieses Wort hat sich nun auch bei mir erfüllt.
Mein Taufspruch sollte sich als prophetisch für mein künftiges Leben erweisen: "... wo du hingehst, will ich auch hingehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott" (Ruth 1, 16.17). Das sagte die heidnische Moabiterin Ruth zu ihrer jüdischen Schwiegermutter Naomi auf dem Weg nach Bethlehem. Über Israel wusste ich fast nichts, doch gleich am Anfang meines Glaubenslebens gab mir der Herr eine tiefe Liebe zu Israel und gute biblische Lehre über das Bundesvolk Gottes. Wie könnte auch meine Haltung gegenüber Israel anders sein, als die Haltung Gottes selbst?! Das verstehen zu können, empfinde ich als eine große Gnade, wenn ich sehe, wie vielen Christen die Augen für Israel verschlossen sind.

Dienst in Israel
Bereits fünf Monate nach meiner Bekehrung kam ich das erste mal nach Israel. Das war der Anfang meines nun fast 20-jährigen Dienstes in Israel an alten und kranken Menschen in ihren Wohnungen, in Altenheimen und Krankenhäusern.
Zwischendurch absolvierte ich in Deutschland eine Ausbildung als Krankenpflegehelferin. Meine ganz praktische Lebensschule aber habe ich in Israel durchlebt. Wie sehr musste ich Disziplin und Unterordnung lernen, was mir als Jugendliche sehr fremd war.
Je mehr ich die tiefen Wunden des jüdischen Volkes verstand, die durch die Kirchengeschichte und die unbeschreibliche Grausamkeit im Holocaust verursacht wurden, umso mehr wuchs in mir der Wunsch zur Versöhnung und Trost gegenüber diesen Menschen zum Ausdruck bringen zu können. Mein Dienst bestand zunächst darin, einfache, praktische Hilfe wie Putzen, Einkaufen, Begleitung bei Arztbesuchen ... anzubieten. Ich erkannte, dass nicht das "Predigen", sondern das Dienen der Schlüssel ist zu den Herzen des jüdischen Volkes.
1987 begegnete ich dann Bella Steiner, einer Auschwitzüberlebenden, die bis heute für mich eine "Naomi" ist. Im Zusammenleben mit ihr und vielen Begegnungen mit anderen Holocaust-Überlebenden wurde ich mit der Not dieser Menschen konfrontiert. Einsamkeit, Kinderlosigkeit als Folge der Lage, Depressionen, Alpträume oder Krankheit. Erstaunlicherweise begegnete mir dabei fast nie Bitterkeit oder Hass - was ich fand, waren aber gebrochene Herzen. Als Deutsche musste ich lernen, mich unserer Vergangenheit zu stellen.  Das war nicht leicht, aber der Herr half mir Schritt für Schritt und befreite mich von dem Fluch der Vorväter, der über unserem Volk lastet. Persönlich habe ich es als großen Segen erfahren, gerade als deutsche Christin diesen leidgeprüften Menschen zu dienen. Nicht aus Schuldgefühlen, sondern aus dem Wunsch heraus, nach Jesaja 40 etwas Trost bringen zu können:
"Des Herrn tröstendes Wort für sein Volk: 'Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden" (Jesaja 40, 1.2).

Ner Ya’akov - ein warmes Heim für Holocaustüberlebende
Aus den Jahren des praktischen Dienstes ist nun der kleine Verein Ner Ya’akov entstanden, benannt im Gedächtnis an Bella Steiner’s Großvater Ya’akov Thalenberg, der an einem Massengrab ermordet wurde.
Ner Ya’akov hat das Ziel, den letzten lebenden Zeugen des Holocaust in jeder nur möglichen Weise zu helfen, durch praktische Dienste in den Privathäusern der alten Menschen, finanzielle Unterstützung für bedürftige Familien, oder auch Hilfestellung zu geben, wenn Holocaustüberlebende aus der früheren Sowjetunion nach Israel einwandern wollen.
Der Kern dieser Arbeit ist ein "warmes Heim für Überlebende", das wir im Februar 2001 eröffnen konnten. In ihm können sechs bis acht Bewohner aufgenommen werden, die mit einem Mitarbeiterteam zusammenleben.

Möge der Gott Israels selbst die vielen Wunden anrühren und Ner Ya’akov zu einer Kerze der Hoffnung und des Trostes werden lassen, allein zu seiner Ehre!


 
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